Geschichtliches


Das Dorf ohne Wasser

Als Wasserversorgung fürs Vieh diente der Dorfteich, der mitten im Dorf lag. Er hatte eine Größe von ca. 1,5 ha. Um den Teich siedelten sich die Bauern an. Dadurch entstand dieses typische Angerdorf mit einseitiger Bebauung der Dorfstraße und dem Dorfanger. Es gab weitere 5 kleine Teiche im Dorf, aus denen die anliegenden Bauern Wasser fürs Vieh geholt haben. Fürs Trinkwasser wurden auf jedem Hof Zisternen gebaut, in denen das Regenwasser von den Dächern der Gebäude aufgefangen wurde. Zisternen waren Erdlöcher von 3 bis 4 Meter Durchmesser und 3 bis 4 Meter Tiefe, Fußboden und Seiten wurden mit Feldsteinen ausgelegt, z. T. in späteren Jahren auch in Beton ausgeführt. Aber im Sommer, wenn es längere Zeit nicht regnete, wurde das Wasser in den Zisternen knapp und die Bauern mußten von der 4 Kilometer entfernten Quelle aus Johannesmühle oder vom Nachbarort Kemlitz mit Wagen und Wasserfaß ihr Trinkwasser holen. Einen Brunnen zu bohren war zu dieser Zeit nicht möglich, denn der Grundwasserspiegel liegt in dieser Gegend erst in ca. 89 Meter Tiefe, und so tief konnte man mit Handarbeit nicht graben. In den späteren Jahren hat dann eine Firma aus Jüterbog auf zwei Gehöften versucht, einen Tiefbrunnen zu bauen. Da es aber mit der Hand sehr schwierig und aufwendig war, das Wasser aus dieser Tiefe nach oben zu fördern, versandeten diese Brunnen bald wieder. Das Wasser mußte weiter mit Pferd und Wagen von den Teichen geholt werden. Lediglich einige unmittelbare Teichanlieger hatten auf den Gehöften Pumpen installiert und konnten damit das Wasser für das Vieh zu den Ställen fördern. Erst in den Jahren ab 1950 wurde dann im Dorf ein Tiefbrunnen ( 112 Meter Tief ) gebaut und im ganzen Dorf eine Wasserleitung mit Anschluß für jeden Hof gelegt. Den Tiefbrunnen baute die Firma August Frebe aus Jüterbog, sämtliche anfallenden Schachtarbeiten wurden von den Einwohnern des Dorfes unentgeltlich mit Hand erledigt.

Wasserflöhe überzeugten den Staatsapparat/ Wie das Wasserwerk Groß Ziescht entstand

Aufgeschrieben von Helmut Wierschke, damaliger Bürgermeister

Von jeher hatten die Gemeinden des Niederen Fläming wegen des sandigen Untergrundes an Wassermangel zu leiden. So auch Groß Ziescht. Brunnen, in denen sich Grundwasser hätte sammeln können, gab es nicht, da die wasserführenden Schichten zu tief liegen. Auch Quellen gab und gibt es nicht. So mußte Regenwasser als Trinkwasser verwendet werden, das die Einwohner von den Dächern der Wohngebäude, Stallungen oder Scheunen kommend, über Holz- und später Metallrinnen in Zisternen auffingen. Noch vor 40 Jahren galt Groß Ziescht als "das Dorf ohne Trinkwasser". Wer eine Tasse Kaffee angeboten bekam, wußte nicht, daß er Regenwasser trank. Täglich fuhren die Bauern mit Fässern zu den Teichen und schöpften mühsam und zeitraubend das Brauchwasser für das Vieh. Einige , deren Gehöfte am Dorfteich lagen, verlegten Rohre und pumpten das Wasser aus dem Dorfteich. Natürlich versuchte man, Brunnen für den Hausgebrauch zu bauen, was bei der damaligen Technik schwierig und kostenaufwendig war. So wurde 1884 und später, nachdem drei Rohrbrunnen niedergebracht waren, festgestellt, daß sich die wasserführenden Schichten in der enormen Tiefe von 76 m befinden. Bis in das Jahr 1933 waren diese Tiefbrunnen in Gebrauch. Es soll schwer gewesen sein, die etwa 87 m langen Gestänge mit der Hand zu bewegen, um das Naß zu Tage zu bringen. Leichter wurde es, als 1923 ein Motor das Gestänge bewegte. Schließlich versandeten die Brunnen. Pumpenbauer Frebe aus Jüterbog berichtete einmal, daß 1908 in einer Einwohnerversammlung Verhandlungen über den Bau einer zentralen Wasserversorgungsanlage stattfanden. Die Einwohner hätten aber die hohen Kosten nicht aufbringen können. Die Bemühungen des Brunnenbauers sollen seinerzeit damit "belohnt" worden sein, daß man ihn des Raumes verwies.

1. Spatenstich im Juni 1952

1951, nach Zuzug von Helmut Wierschke in die Gemeinde, setzte er sich das Ziel, der katastrophalen Wasserversorgung ein Ende zu bereiten. Zunächst wurden die Einwohner interessiert, tatkräftig beim Bau mitzuhelfen. Eingaben und Anträge an Räte des Kreise, die Landesregierung und den Rat des Bezirkes Potsdam waren nötig. Kollegen des Staatsapparates wurden überzeugt, als sie in einer Zisterne aufgefangenes Regenwasser trinken sollten, wo sich Wasserflöhe tummelten. Letztlich aber stellte der Rat des Kreises Luckenwalde 14 500 Mark zur Verfügung. Ein feierlicher Tag war es, als im Juni 1952 der Bürgermeister den ersten Spatenstich zum Bau der Versorgungsanlage machte, der im ersten Bauabschnitt die Schaffung eines Rohr-Tiefbrunnens vorsah. Dann begannen die Brunnenbauer der Firma Frebe ihre Arbeit. In Schachtrohren, die in die Erde gebracht werden mußten, schachtete jeweils eine Person auf engstem Raum, da der Rohrdurchmesser nur 69 cm betrug. Sie wurden mit einem Seil in das Rohrinnere herabgelassen. Der Bodenaushub wurde eimerweise hochgebracht. Als 20 m erreicht waren, brachte dann eine Bohrmaschine Erleichterung. Ab dieser Tiefe wurden die eigentlichen Brunnenrohre gebohrt. Ca. 75 m waren die Rohre bereits versenkt, aber immer noch gab es kein Wasser. Gleichzeitig mußte dem Brunnenbauer mitgeteilt werden, daß die Geldmittel erschöpft waren. Dieser antwortete: "Auf keinen Fall höre ich mit der Bohrung auf, denn dann verfestigt sich der Erdboden um die Rohre derart, daß sie sich nicht wieder bewegen lassen." Wie sich Später heraus stellte, sollte er recht behalten. Die damalige Landesregierung unterstützte unser Vorhaben finanziell. Eines Tages hing bei 77,30 m ein kleines Fähnchen am Bohrgerüst - Wasser! Hydraulik oder andere Technik, die die Rohre in den Erdboden drückt, war nicht vorhanden. So wurde um die Rohre eine Art Podest angebracht, auf das Einwohner Erdmassen schaufelten, deren Gewicht die Rohre herunterdrückten. waren sie versenkt, schraubte man ein neues Rohrstück darauf, die Erde mußte vom Podest wieder abgeschaufelt werden, das Podest wurde höher angebracht und mußte neu beladen werden. Diese mühselige Arbeit wiederholte sich fortlaufend. In weniger als drei Monaten war ein Brunnen mit einer Tiefe von 113 m fertiggestellt. Eine Unterwasser-Kreiselpumpe (17 kW) hängt in etwa 90 m Tiefe an den Steigerohren. Aus einer provisorischen Zapfstelle floß das Wasser in die Behälter der Bauern. Doch es mußte von der Zapfstelle geholt und konnte nur zu bestimmten Zeiten ausgegeben werden.

Zwangspause wegen Verwaltungsreform

Das Tempo zum Bau des Wasserwerkes und des Rohrnetzes hätte so weitergehen können. Doch 1953 und 1954 trat eine Pause ein. Durch die 1953 beschlossene Verwaltungsvereinfachung und Neufestsetzung der Kreisgrenzen kam unsere Gemeinde vom Kreis Jüterbog/Luckenwalde zum Kreis Luckau. Wegen der schlechten Verkehrsverbindungen erfolgte auf eigenen Wunsch 1954 die Angliederung an den Kreis Zossen. Eines Tages kam ein Vertreter des Rates des Bezirkes Potsdam mit dem Auftrag, die Wasserversorgungsproblematik zu überprüfen und auch festzustellen, ob "schwarz investiert" worden war. War es aber nicht, im Gegenteil. Der Bezirk nahm unser Vorhaben als Schwerpunktaufgabe in den Plan auf. Es wurde ein Projekt für Bau eines Wasserwerkes, Verlegung eines Rohrnetzes und Anbringen von Oberflurhydranten erarbeitet. Die Gemeinde verpflichtete sich, sämtliche Schacht- und Zimmermannsarbeiten für das Wasserwerksgebäude kostenlos durchzuführen. In zwei Jahren sollte die komplette Anlage fertig sein. Längst waren die Schachtarbeiten für die Kellerräume und den Wasserbehälter ausgeführt. Bis zum Jahresende war der Rohbau fertig. Ein Teil der Rohrverlegung konnte schon in den Sommermonaten erfolgen. Es schien so, daß nicht soviel täglich von den Einwohnern gegraben und ausgehoben werden konnte, wie diese Männer Rohre verlegen wollten. Es wurde geschafft, trotz der Erntearbeiten, die ja von den Bauern gleichzeitig durchzuführen waren. Noch im Dezember stellte der Rat des Bezirkes zusätzlich Geldmittel zur Verfügung. Die ausgeschachteten Gräben, die teilweise eine Tiefe von1,80 m hatten, füllten sich mit Wasser und stürzten zum größten Teil ein. Viel Mühe kostete es, im Frühjahr 1956 die herabgestürzten Sand- und Schlammassen wieder herauszuheben. Stück für Stück wurden die Rohre verlegt, während das Wasserwerk seiner Fertigstellung entgegenging.

Erdkabel in Cottbus besorgt

Das Projekt sah ein modernes, vollautomatisches und erweiterungsfähiges Wasserwerk vor. Auch den Brandschutz vergaß man nicht, indem 13 Oberflurhydranten an das Rohrnetz angeschlossen wurden. Die Feuerwehr wäre allein niemals in der Lage gewesen, ohne Wasserentnahme aus den Hydanten einen weit weg vom Dorfteich entfernten Brand zu bekämpfen. Zu guter Letzt mußte noch ein Erdkabel vom Trafo zum Wasserwerk verlegt werden. Es war nicht leicht, das Erdkabel zu beschaffen. Im Bezirk Potsdam war dies nicht möglich, doch der Bezirk Cottbus half uns. Der 28. Juli 1956 ging in die Chronik der Gemeinde ein. An diesem Tage fand die feierliche Einweihung der zentralen Wasserversorgungsanlage statt. Aber nicht nur das Wasserwerk konnte seiner Bestimmung übergeben werden, gleichzeitig waren die durch die Eigenleistung der Einwohner gesparten Gelder verwendet worden, um einen Kulturraum einzurichten und die Straßenbeleuchtung zu modernisieren. Die Einweihung gestaltete sich zu einem wahren Volksfest. Das Wasserwerk betreute von nun an ein beim Rat der Gemeinde tätiger Wasserwart. Als dieser ausfiel, nahmen Mitarbeiter des Rates der Gemeinde die Aufgabe unentgeltlich wahr. Reparaturen führten Fachleute aus. Um auch bei einer Havarie Wasser liefern zu können, war es notwendig, einen zweiten Tiefbrunnen zu schaffen. Dies geschah in den Folgejahren. Anfang 1964 nahm man das Wasserwerk aus dem Verantwortungsbereich der Gemeinde heraus und übergab es dem VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Potsdam, Betriebsbereich Königs-Wusterhausen. Während dieser Zeit plante und schuf man einen dritten Brunnen. Hierbei passierte folgendes: Eine Firma aus Brandenburg hatte bereits die Mantelrohre niedergebracht und mit einem Filter versehen. Damit nun das Grundwasser frei in die Filteranlage gelangen kann, mußten um etwa Filterlänge die Mantelrohre wieder hochgezogen werden. Dabei rutschten zum Schrecken der Brunnenbauer die Mantelrohre wieder in die Tiefe, ein neuer Brunnen mußte gebaut werden, so berichtete der derzeitige Bürgermeister Siegfried Günther.

Groß Zieschter Wasser für Merzdorf

Die Gemeinde Kemlitz, später Ortsteil von Groß Ziescht, war schon früher als Groß Ziescht im Besitz eines Wasserwerkes, das seinerzeit ausgezeichnetes Wasser förderte. Im Laufe der Zeit jedoch verschlechterte sich die Qualität, Reparaturen fielen an. deshalb entschied man sich, Kemlitz mit Groß Zieschter Trinkwasser zu versorgen. Eine 2,9 km lange Rohrverbindung wurde hergestellt. Nach Bildung des Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungs-Zweckverbandes "Baruther Urstromtal" -WABU- im Amtsbereich Baruth, übernahm dieser auch unser Wasserwerk am 1. Juli 1994. Das Groß Zieschter Wasserwerk bot sich an, weitere Gemeinden mit Trinkwasser zu versorgen. Bereits Ende 1995 wurde als erster bauabschnitt die Verlegung einer Trinkwasserleitung von Groß Ziescht nach Merzdorf in Angriff genommen. Die Länge der Leitung mit einem Rohrdurchmesser von 20 cm beträgt ca. 5 km. Mit dem zweiten Bauabschnitt wurde die gründliche Sanierung des Wasserwerkes in Angriff genommen. In den vergangenen 40 Jahren waren Verschleißerscheinungen nicht zu übersehen. Für den Bau des Werkes hatte sicher nicht das beste Material zur Verfügung gestanden. Beauftragt mit der Durchführung der Sanierungsarbeiten war die August Frebe GmbH aus Jüterbog, die Folgefirma des Brunnenbauers Otto Frebe, der schon 1908 mit eigenen Ideen und selbstgefertigter Bauzeichnung für die Notwendigkeit des Bauens einer zentralen Wasserversorgungsanlage geworben hatte. Die Sanierungsarbeiten begannen im März 1996 und endeten im September 1996. Erwähnenswert ist hierbei der Einbau einer modernen Filteranlage. Nach Reinigung der Leitungssysteme der neuen Wasserleitung von Groß Ziescht nach Merzdorf erhielt diese Gemeinde erstmals im September 1996 das kühle Naß aus Groß Ziescht.